Archive for August, 2006

Die Krise der Kerle

Thursday, August 31st, 2006

Zugegeben diese Überschrift habe ich von dem Buchautor Thomas Gesterkamp geklaut, der ein gleichnamiges Buch heraus gebracht hat. Sonst hätte ich mich das nie getraut ;-) Ausgangspunkt aber war eine Meldung auf dem Väter-und-Karriere-Blog von Hans-Georg über eine Studie des University College in London. Die Forscher fanden heraus, dass eine Überzahl an Männern in der Regel zu einer Destablisierung einer Gesellschasft führt. Insbesondere beziehen sie sich hier auf Indien und China. Ledige Männer geraten an den Rand der Gesellschaft, was zu einer höheren Aggressivität führt. Thomas Gesterkamp hält in seinem Buch fest, dass dies auch für manche ostdeutsche Gebiete gilt. Anscheinend sind junge Frauen flexibler und anpassungsfähiger - und Biographien von Männern heute ebenso brüchig, wie Frauen es schon seit Generationen kennen. Tja, auf die Weise wollten wir die Emazipation auch nicht, oder? :-(

Die Frauen wurden vergessen!

Tuesday, August 29th, 2006

Ab Juni 2007 soll in Berlin ein Mahnmal an alle Homosexuellen erinnern, die von den Nazis verfolgt wurden. Ein erster Entwurf für das Mahnmal liegt jetzt vor, zitiert aus der Emma:”Gegenüber dem Holocaust-Mahnmal mit seinen 2.711 Stelen wird im Tiergarten eine 3,60 mal 4,50 Meter große kastenförmige, gekippte Skulptur stehen, die bewusst Eisenmans Stelenform zitiert. Wer durch die kleine quadratische Öffnung ins Innere des Betonquaders blickt, sieht ein projiziertes Filmbild in Endlosschleife: zwei sich küssende Männer. So will es der Entwurf des von der neunköpfigen Jury (sieben Männer und zwei Frauen) prämierten Künstlerpaares Michael Elmgreen und Ingmar Dragset. Als im Sommer prompt erster weiblicher Protest aufkam, erklärten die offen schwulen Künstler gelassen, sie würden davon ausgehen, dass auch die Lesben sich mit ihrem Mahnmal „identifizieren“ könnten. (klar, wir Frauen können uns supergut mit knutschenden Mannsbildern identifizieren, gibt nichts einfacheres,sb ;-) ) Und auch der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD), auf dessen Initiative das Mahnmal zum „Gedenken an die homosexuellen NS-Opfer“ im Dezember 2003 vom Bundestag in Auftrag gegeben wurde (Kostenpunkt: 430.000 Euro), schien bisher keine Probleme mit dem frauenfreien Entwurf zu haben. “  Der Protest gegen diese Ignoranz weitete sich aus. Mittlerweile gibt es sowohl prominente als auch  eine große Zahl von Menschen, die eine Änderung des Entwurfs verlangen,  dokumentiert von der emma-online.

Das Lesben von den Nazis auch verfolgt wurden  - darüber musste ich mich ehrlich gesagt auch erst aufklären lassen und las in der Emma: “Nicht nur der LSVD und die beiden Künstler seien daran erinnert, dass auch homosexuelle Frauen dem Nationalsozialismus zum Opfer gefallen sind. Zwar fielen sie nicht unter den §175, der bis 1969 die „widernatürliche Unzucht“ zwischen Männern unter Strafe stellte und in dessen Namen in der Nazizeit rund 50.000 homosexuelle Männer zu Zuchthaus und KZ verurteilt, kastriert oder ermordet wurden. Aber auch homosexuelle Frauen wurden denunziert und in KZs verschleppt, wo sie, statt mit dem rosa Winkel, mit dem schwarzen Winkel als „Asoziale“ gebrandmarkt wurden. In den Akten des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück hat die Historikerin Claudia Schoppmann hinter Häftlingsnamen den Eintrag ‚lesbisch‘ gefunden.”

Nicht noch ein Umzug

Monday, August 28th, 2006

Das europäische Parlament will unbedingt nach Straßburg umziehen - und dagegen regt sich Widerstand, das fand ich heute als Meldung bei den PR-Bloggern. Denn der Umzug kostet grob geschätzt 200 Millionen Euro.Gestartet hat die Initiative zum Widerstand Cecilia Malström von der Liberalen Allianz, sie ist eine dänische Abgeordnete. Bis jetzt haben über 900.000 EuropäerInnen die Petition unterschrieben. Verana Schmunk von den PR-Bloggern schreibt: “Nach Artikel 47 des Verfassungsentwurfs kann die Europäische Union von den Bürgern dazu aufgefordert werden, im Rahmen ihrer Befugnisse einen Gesetzentwurf zu einem bestimmten Thema vorzulegen. Voraussetzung sind dafür eine Million Unterschriften.”

PS: Das ist übrigens doch etwas unsinnig - siehe Kommentare unten!!!

Ideologische Falle

Monday, August 28th, 2006

Die Financial Times nimmt heute in ihrem Ländercheck Baden Württtemberg unter die Lupe - und stellt fest, dasss die Kinderbetreuung miserabel ist. Doch jertzt  regt sich auch Widerstand aus der Wirtschaft - diese möchte gern auf die qualifizierten Frauen zurück greifen können. Es ist schon eine Frechheit, was uns Frauen nicht nur in Baden Württemberg zugemutet wird. Eine Lösung: Kindergartenpflicht ab zwei Jahren und weg von dem Mythos, Kinder brauchen ihre Mutter - und das mindestens drei Jahre. Was für ein Schwachsinn, den gibt es nur in Deutschland. Eine Gesellschaft, die ein Interesse an qualifizierten Arbeitskräften hat, sollte sich früh und vor allem qualifiziert um “ihren Nachwuchs” kümmern. Alle Untersuchungen zeigen, dass der “Return of Investment” so hoch ist, wie sonst kaum bei Investitionen - er liegt bei 1 zu 3 bis 1 zu 5 pro investiertem Euro - und das nachhhaltig.

Echtes Fundstück - für Frauen

Friday, August 25th, 2006

Die Zeit hatte gestern einen tollen Beitrag online unter der Ãœberschrift “Wir brauchen einen neuen Feminismus”. In der Einleitung dazu heisst es: “… Auch viele der 15 Frauen, die wir – 30 Jahre nach der großen Zeit der Emanzipationsbewegung – nach ihrer Einstellung zum Feminismus gefragt haben, sind also nicht als feministische Kämpferinnen bekannt. Trotzdem teilen sie ein Unwohlsein. Das Gefühl, dass es in Deutschland einen Rückschritt gibt. Es ist jetzt zum Beispiel schick, in Feuilletons fies über Frauen zu schreiben, wie die Schriftstellerin Karen Duve in ihrem Beitrag bemerkt. …” Dazu kommen Interviews mit und Beiträge von 15 Frauen zu dem Thema. Sehr spannend und anregend - es geht von der 13-jährigen Schülerin über die Betriebsrätin bis hin zu bekannten Frauen wie Anne Will und Margarete Mitscherlich. Lesenswert! und ein dickes Lob an die Redaktion :-)

Lücke oder Absicht?

Thursday, August 24th, 2006

Letzte Woche machte Monitor auf einen Skandal aufmerksam: Eine Mutter, die nach ihrer Elternzeit die Kündigung bekam, erhielt von der Agentur für Arbeit statt rund 1.400 Euro nur gut 800 Euro. Warum? Sie war ja vorher in Elternzeit - deshalb wurde ihr guter Verdienst nicht angerechnet: “Ein neues Gesetz sagt nämlich, dass höchstens zwei Jahre zurückgeschaut wird, um das Arbeitslosengeld zu berechnen. In der Zeit aber hat sie ihre Kinder erzogen.” Was sagt das Familienministerium dazu: “Insgesamt ist die bestehende Regelung aus Sicht des Bundesfamilienministeriums durchaus sachgerecht.” Aha - das ist der berühmte Schutz der Mütter, der landauf - landab propagiert wird :-(

Blogger hindern Kriegstreiber

Monday, August 21st, 2006

Blogger werden auch im US-amerikanischen Wahlkampf eine Rolle spielen, das deutet sich bereits jetzt an. Jürgen Kalwa beschreibt in FAZ.net, wie Blogger in den Wahlkampf eingreifen und anscheinend auch Resultate erzielen. So wurde letzte Woche Joe Liebermann, ein Demokrat der gern gegen die Kritiker des Irak-Krieges im eigenen Lager wetterte, bei den parteiinternen Vorwahlen nicht aufgestellt. Ein relativ Unbekannter Kandidat, Ned Lamont, machte das Rennen - und zwar mit aktiver Unterstützung der Bloggerszene.

Das ist unsere Chance Ladies - so kann es vielleicht auch hier funktionieren…

Gutes Benehmen ist angesagt

Friday, August 18th, 2006

Das Gleichbehandlungsgesetz, schon so lange von der EU gefordert, ist seit heute in Kraft. Ich finde das klasse! Aber es gibt auch Menschen, die ärgern sich richtig. Denn schon stöhnen sie auf - die Jungs in den Arbeitgeberverbänden:  Das Gesetz verunsichert die Wirtschaft, mehr Bürokratie….

Ja da gibt es doch nur eines: Benehmt euch einfach. Keine Anmache mehr am Konferenztisch, in der Kantine oder beim Betriebsfest. Einstellungen nach Qualifikation - nicht nach Geschlecht oder Nationalität. Welche sexuelle Orientierung jemand hat - geht euch als Arbeitgeber nichts an. Und die Älteren dürfen wegen ihres Alters nicht entlassen werden. Eigentlich doch alles selbstverständlich, oder? Da wage ich doch mal die These: wer so viel mault, hat Dreck am Stecken  ;-)

Unsinniges - das aber abgesprochen…

Friday, August 18th, 2006

Erst Günther Oettinger, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, dann gestern der BDI (Bundesverband der deutschen Industrie) - ob die sich wohl abgesprochen haben? Ihre Forderung: Patienten sollen in Zukunft mindestens zehn - lieber fünfzehn Prozent -  ihrer Behandlungskosten bei Krankheit selbst tragen. Carsten Kreklau, Hauptgeschäftsführer des BDI behauptet, wir bräuchten im Gesundheitswesen “weit mehr marktwirtschaftliche Impulse”. Na - ist doch eine gute Idee - vor allem wenn die Idee von den Menschen kommt, die sowieso privat versichert sind. Da können sie von den anderen gut fordern, mehr in die Tasche zu greifen. Eine gute Idee auch deshalb, weil sie von Menschen kommt, die - ich schätze mal sehr vorsichtig - mindestens ein Jahresgehalt von 100.000 Euro haben. Sie können noch ein wenig entbehren - ach ja, müssen sie aber gar nicht - sie fordern das ja nur für andere.

Mich ärgern solche Forderungen deshalb, weil sie an der Realität vorbei gehen. Ich selbst bin privat versichert, mit einer Eigenbeteiligung von 1.300 € im Jahr. Das heißt de facto, ich zahl meine Rechnungen selbst - ist auch ok. Meine Kinder sind über meinen geschiedenen Mann in der gesetzlichen Versicherung - aber ich zahle: Brille, Heilpraktikerin - da die Ärzte nicht in der Lage waren, meinen Kindern zu helfen, die meisten Mediekamente - da sie homöopathisch sind, bei der Krankengymnastin, beim Kieferorthopäden und und und. Viele Menschen in unserem Land investieren bereits hohe Beträge in ihre Gesundheit - da braucht es nicht noch “Großkopferte”, die  meinen, eine gute gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung lasse sich nur durch “mehr Marktwirtschaft” regeln. Was für ein Unsinn!

Bausteine für den Frieden in Nahost

Tuesday, August 15th, 2006

Ein toller Beitrag von dem Friedensforscher Johann Galtung wurde jetzt in der neuen Publik Forum veröffentlicht. Er schreibt u.a.: “Es ist die Tragödie dieses Krieges besteht darin, dass er nicht nur den Hass, sondern auch die Maximalisten stärkt: Auf der israelischen Seite sind dies diejenigen, die glauben, dass die Grenzen nicht weit genug weg sein können, wenigstens was die Abrüstung derjenigen betrifft, die Israel feindlich gesinnt sind. Die Zahl der Anhänger dieser These wächst mit jedem Tag dieses Krieges. Auf der arabisch/muslimischen Seite glauben einige, die Lösung sei: Gar kein Israel; sie wollen den Staat Israel beseitigen. Ihre Zahl steigt zweifellos auch. Diese beiden Maximalpositionen sind höchst gefährlich. Denn sie sind in den jeweiligen Ländern emotional und intellektuell schnell zu befriedigen, weil sie einfach und verständlich sind. Doch sie führen zu nichts anderem als zu endlosem Krieg, Vernichtung und Leid. Deshalb müssen diese Maximalforderungen mit klaren Gegenpositionen konfrontiert werden:…” der ganze Artikel hier