Archive for November, 2006

Menschen befreien

Thursday, November 30th, 2006

Heute gibt es ein sehr informatives Interview im Tagesspiegel - der Soziologe Ulrich Beck zum Thema Grundeinkommen. Er sagt zum Beispiel:

“Illusionär ist die Vollbeschäftigung, von der unsere Gesellschaft immer noch träumt. Wir denken, es komme nur darauf an, die Konjunktur wieder anzukurbeln, damit jeder wieder Arbeit hat. Nach 20 Jahren ziemlich erfolglosen Kampfes gegen hohe Arbeitslosigkeit müssen wir uns die Frage stellen: Wie kann man ohne Arbeitsplatz ein sinnvolles Leben führen? Genau betrachtet ist Arbeitslosigkeit ja keine Niederlage, sondern ein Sieg. Die Produktivitätssteigerung erlaubt es, mit einem Minimum an menschlicher Arbeit ein Maximum an Wohlstand zu erzielen. Freiheit statt Vollbeschäftigung – das ist heute die Alternative.”

Konservativ oder rechts?

Thursday, November 30th, 2006

wehret_den.jpgDie Philiosophin und Publizistin Thea Dorn hat in der TAZ einen Beitrag zu aktuellen Studien über rechts Gedankengut veröffentlicht. Unter anderem stellt sie Zitate von Alfred Rosenberg, einer der Chefideologen des Dritten Reichs, und Eva Hermann neben einander.  Auch der Beginn des Artikels macht sehr nachdenklich:

“Unlängst führte ich in meinem Freundeskreis ein kleines Experiment durch. Ich fragte: “Woher stammt folgendes Zitat?”: “Viele Frauen wollen Kinder und eine harmonische Familie. Selbst Frauen, die im Beruf aufgehen, verspüren den Wunsch nach Kindern. Von ihrem Opfer und der Bereitschaft, eine Schwangerschaft und auch die Einschnitte danach auf sich zu nehmen, hängt das Ãœberleben des deutschen Volkes ab.” 50 Prozent meiner Freunde tippten auf das “Eva-Prinzip” von Eva Herman und ihrer Co-Autorin Christine Eichel. Knapp 50 Prozent tippten auf Frank Schirrmachers Frühjahrsbestseller “Minimum - Vom Vergehen und Neuentstehen unserer Gemeinschaft”. Und die wenigen unter meinen Freunden, die Die Zeit wirklich gründlich lesen, tippten auf ein bislang unveröffentlichtes Manuskript von Ulrich Greiner, der im April in besagter Wochenzeitung die Opferbereitschaft der Frau als Mutter besungen hatte. Alles falsch. Die zitierten Sätze finden sich auf der Homepage der NPD. Und zwar auf der Berliner “Heimseite” unter dem Titel “Frauen, die sich trauen “. ”

Foto: Bundesvertretung der österreichischen Hochschülerinnen

Interview-Blog

Thursday, November 30th, 2006

Es gibt ein nettes Interview zum Thema Grundeinkommen mit mir auf der Seite des Interview-Blogs. Kommentare sehr erwünscht ;-)
Beste Grüße stefanie

Achtung Satire

Tuesday, November 28th, 2006

Unter der Ãœberschrift: Vorbild Dritte Welt: Hier wird noch ohne Computer getötet schrieb André Mielke gestern in der welt.de über den Zusammenhang von Computerspielen und Amokläufen. Sehr lesenswert! Ist zwar eine Satire, aber macht doch nachdenklich…

Heute: UN-Tag gegen Gewalt an Frauen

Friday, November 24th, 2006

Einige Zeitungen nehmen den heutigen internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen zum Anlaß, über Zahlen und Fakten zu berichten. So schreibt zum Beispiel der Kölner Stadtanzeiger: “Die Zahlen sprechen für sich: Mehr als 15 000 Frauen suchen jährlich die Frauenberatungsstellen in Nordrhein-Westfalen auf, 80 Prozent von ihnen suchen Rat und Hilfe in Sachen häuslicher Gewalt. Nach einer Studie aus dem Jahr 2004 erfährt jede vierte Frau aktuell Gewalt durch ihren Partner.” Die junge Welt informiert über eine Kampagne der Menschenrechtsorganisation terre des femmes: “Terre des Femmes (TdF) startet am morgigen Samstag eine auf zwei Jahre angelegte Kampagne gegen häusliche Gewalt unter dem Motto »Frauen schlägt Mann nicht«. Gleichzeitig werden auf ihre Initiative hin um den 25.November herum bereits zum sechsten Mal in vielen Städten Fahnen mit der Aufschrift »frei leben – ohne gewalt« gehißt – eine Aktion, an der sich auch Politiker eifrig beteiligen und so kostengünstig Engagement demonstrieren. Dort, wo es wichtig wäre, werden in den meisten Bundesländern Mittel gekürzt oder ganz gestrichen – nämlich bei den Frauenhäusern, in denen Opfer Schutz vor gewalttätigen Partner finden können. Dies ist insbesondere für die ihrem Partner vielfach in besonders starken Maße – wirtschaftlich und in Sachen Aufenthaltsrecht – ausgelieferten Migrantinnen eine Katastrophe. Dabei werden die rund 400 Häuser dringend gebraucht: TdF zufolge suchen und finden jedes Jahr 40000 Frauen gemeinsam mit ihren Kindern in ihnen zeitweilig Zuflucht. Jede dritte Frau in der BRD soll in der Partnerschaft Gewalt erfahren haben, 300 Opfer sterben jedes Jahr durch die Hand ihres Partners. Die Organisation hat zum Kampagnenstart eine Broschüre herausgebracht, in der sowohl die innenpolitische als auch die globale Dimension des Problems beleuchtet wird.”

Riester-Rente: Deutsche ohne Durchblick

Friday, November 24th, 2006

Die Deutschen sind ratlos, wenn es um die Riester-Rente geht. Knapp die Hälfte der Bundesbürger weiß nicht, wo sie eine Riester-Rente kaufen kann. Da ich gerade für Frauen die Riester-Rente für wichtig halte (die Altersarmut ist weiblich) hier ein paar Informationen: Die Riester-Förderung läßt sich über einen riester-tauglichen Fonds- oder Banksparplan oder eine Rentenversicherung nutzen und werden u. a. bei Banken und Versicherungen abgeschlossen. Der Staat zahlt jährlich eine oder mehrere Zulagen in den Vertrag ein. Für 2006 erhält jeder auf Antrag für sich 114 Euro Grundzulage und 138 Euro Zulage pro Kind, für das er Kindergeld erhält. Pro Kind bekommen Eltern nur eine Zulage. Sie müssen sich einigen, wer sie nimmt.

Volle Zulagen sichern sich Sparer, die 3 Prozent ihres Bruttoeinkommen des Vorjahres minus Zulage selbst zahlen. Wer weniger spart, erhält weniger Zulage. Mehr als 1.575 Euro insgesamt sollten es nicht sein. Mehr wird nicht gefördert. Geringverdiener zahlen mindestens 60 Euro, hierunter fallen auch Erwerbslose (Mütter, die sich vollumfänglich um ihre Kinder kümmern). Wer noch vor dem 30.12.2006 einzahlt, erhält noch die kompletten Prämien für 2006.

Grüße von Doris

Aufsichtsrätin gesucht [wenn wir doch schon so weit wären]

Thursday, November 23rd, 2006

In den nächsten 13 Monaten müssen die norwegischen börsenorientierten Unternehmen mindestens 40 % der Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzen. Unternehmen, die dieses Soll nicht erfüllen droht der Börsenausschluß und sogar die Zwangsauflösung (www.wiwo.de). Es wird befürchtet, daß diese Posten nur mit nicht qualifizierten Frauen besetzt werden können, da die Frauen nicht dementsprechend positioniert und ausgebildet sind. Wenn ich mir die männlich besetzten Aufsichtsräte in Deutschland ansehe und deren Pannen (z. B. Siemens, Deutsche Bank, VW etc.) habe ich keine Angst, daß wir Frauen es zumindest genauso gut machen werden. ;-) Doris

Auf Frauen Rücksicht nehmen

Thursday, November 23rd, 2006

“Frauen sind die Verlierer der Rente mit 67″, so titelt die Community für medizinische, soziale und pflegende Berufe CareLounge in ihren aktuellen News. Hintergrund ist eine Studie der Deutschen Rentenversicherung zur Rente mit 67. Im Beitrag heißt es wörtlich: “ Wenn nur 10,7 Prozent der Frauen selbst bei sehr großzügiger Anrechnung von Kindererziehungszeiten und 29,8 Prozent der Männer die erforderlichen 45 Beitragsjahre aufwiesen, um mit 65 Jahren ohne Abschläge in Rente zu gehen, so müsse die Bundesregierung ihr Vorhaben diesen Erkenntnissen anpassen, forderte Hirrlinger (Präsident des Sozialverbands VdK Deutschland,sb). “Mit einem neuen Rentenkürzungsgesetz schafft die Bundesregierung nur neue Ungerechtigkeit.”

Ladenschlußzeiten - unentschieden

Friday, November 17th, 2006

Gestern hat der nordrhein-westfälische Landtag die weitgehende Freigabe der Ladenöffnungszeiten beschlossen. ngo-online meldet dazu: “Verkäuferinnen und Verkäufer können in Nordrhein-Westfalen künftig an sechs Tagen rund um die Uhr arbeiten. Der nordrhein-westfälische Landtag hat die weitgehende Freigabe der Ladenöffnungszeiten beschlossen. Das Gesetz wurde am Donnerstag mit den Stimmen der Regierungsfraktionen von CDU und FDP verabschiedet. Danach dürfen die Geschäfte von Montag bis Samstag 24 Stunden lang öffnen. Nur Sonn- und Feiertage bleiben “weitgehend” geschützt.”

Ich selbst bin da wirklich in der Zwickmühle: Als Chefin einer PR-Agentur arbeite ich oft bis 19 oder 20 Uhr. Dann bin ich froh, wenn ich manchmal noch schnell was kaufen kann. Allerdings würde ich meinen Mitarbeiterinnen nie zumuten wollen, dass sie bis 24 Uhr oder später arbeiten. Deshalb tun mir die Verkäuferinnen leid - im Einzelhandel arbeiten ja vorzugsweise Frauen. Bin mir auch nicht sicher, ob es so toll ist rund um die Uhr konsumieren zu können. Aber praktisch find ich es schon. Was meint ihr?

Beste Grüße stefanie

Schützenhilfe

Thursday, November 16th, 2006

Schützenhilfe für bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf kommt auch immer mehr aus der Wirtschaft. so z.B. von dem Unternehmen WebEx aus Düsseldorf. So heißt es in einer Presseinformation:
“Erwerbstätige Bundesbürger fühlen sich von Politik und Wirtschaft im Stich gelassen”, kommentiert Peer Stemmler, Country Manager Deutschland bei WebEx in Düsseldorf. “Das hat für Deutschland verheerende Folgen: Einerseits gibt es nur wenige Anreize für Nachwuchs, andererseits gehen Unternehmen qualifizierte Arbeitnehmer verloren. Das muss sich dringend ändern, beispielsweise durch eine sinnvolle Kinderbetreuung, die sowohl von der Politik als auch der Wirtschaft gefördert wird. Ohne deren aktive Unterstützung ist keine sinnvolle Familienplanung möglich, und Deutschlands Geburtenrate wird weiterhin auf einem Allzeit-Tief bleiben.”