Archive for February, 2007

Mehr Frauen in Aufsichtsräte

Tuesday, February 27th, 2007

Hier geht es zur öffentlichen Petition, die eine 50prozentige Quotierung der Aufsichtsratssitze in börsennotierten Unternehmen fordert - ganz nach dem Beispiel Norwegens. Die Begründung:
Der weibliche Anteil der Aufsichtsräte liegen in Deutschland bei nur 10 Prozent. Und 10 Prozent werden auch nur deshalb erreicht, da durch das Mitbestimmungsgesetz die Arbeitnehmer auch Aufsichtsräte stellen. Die von Arbeitnehmern gestellten Aufsichtsräte sind zu 80 Prozent weiblich. In den letzten 30 Jahren hat sich der Anteil der weiblichen Aufsichtsräte, die die Wirtschaft stellt, nicht verändert, obwohl:

- inzwischen mehr Mädchen Abuitur machen als Jungen

- genauso viele junge Frauen wie Männer studieren

- immer mehr Frauen ihre Bereitschaft erklären, Top-Funktionen in der Wirtschaft zu übernehmen

Diese Fakten bewirken keine Veränderungen im Verhalten des Managements in der Wirtschaft. Beispiele andere Länder beweisen, dass zeitweilige gesetzliche Vorgaben hier grundlegende Veränderungen bewirken. Zeitgleich zum Gesetzesprozeß sollte das Wirtschaftsminsterium der Bundesregierung eine Datenbank anlegen, in der qualifizierte Frauen ihren Wunsch nach einem Aufsichtsratmandat anmelden können - so wie Norwegen es gemacht hat. Das entzieht dem Argument der Wirtschaft, es gäbe nicht genügend Frauen, den Boden.
Aktualisierung Mai 2007: Die Petition wurde 541 Menschen unterstützt - yeah :-)

388 Jahre später

Monday, February 26th, 2007

Virginia hat sich als erster us-amerikanischer Bundesstaat für die Sklaverei entschuldigt, so berichtete gestern die FAZ. In dem Artikel heißt es: “Vierhundert Jahre ist es her, dass auf einer Insel im Fluss James, im heutigen Bundesstaat Virginia die erste dauerhaft besiedelte Kolonie der Engländer in Amerika entstand. Zwölf Jahre später wurden die ersten in Ketten gelegten Afrikaner nach Jamestown gebracht. Doch es vergingen 388 Jahre bis schließlich am Samstag das Parlament von Virginia einstimmig eine Resolution verabschiedete, in der die Volksvertreter ihr „tiefes Bedauern“ über die Sklaverei ausdrücken. Die Entschuldigung für „die schrecklichste aller Menschenrechtsverletzungen“, wie des in der Entschließung heißt, hat nicht nur für den Südstaat historische Bedeutung. Denn Virginia ist der erste amerikanische Bundesstaat überhaupt, der sich offiziell für die Sklaverei entschuldigt.”
Sicher kann man sich trefflich darüber streiten, was eine solche Entschuldigung wert ist. Aber als Geste der Heilung tiefer geschichtlicher Wunden finde ich sie gut. Es wäre schön, wenn andere Bundesstaaten und die US-Regierung folgen würden.

Kehrtwende bei Prostitution

Friday, February 23rd, 2007

Gelesen bei Emma (online): Aufgrund eines Forschungsberichts zu den Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes gibt es jetzt eine Trendwende in der Politik der Bundesregierung - endlich! “Konträr zu den bisher in Berlin vertretenen Positionen erklärte Ursula von der Leyen an diesem Tag auf einer eigens einberaumten Pressekonferenz: „Prostitution ist kein Beruf wie jeder andere.“- „Freier von Zwangsprostituierten werden in Zukunft bestraft.“ - „Der Ausstieg aus der Prostitution ist unser wichtigstes Ziel.“ Das war am 24. Januar. Die Familienministerin kündigte entsprechende Gesetze an. Ein Grund zur Freude meine ich - denn fast alle Experten sind sich einig: 95 Prozent der Frauen gehen nicht “aus eigenem Willen” diesem Gewerbe nach. Mehr Hintergründe und Zahlen findet ihr auf der Emma- Website.

Was ist konservativ?

Tuesday, February 20th, 2007

Nach drei Wochen Pause wegen Urlaub und Angina (netterweise nacheinander ;-) bin ich heute beim Scannen der Neuigkeiten auf einen schönen Kommentar im Kölner Stadtanzeiger zur Debatte um die Familienpolitik gestossen. Dort schreibt Joachim Frank unter anderem: “Am Ende, das zeichnet sich in den Voten der Parteigrößen von Koch bis Wulff bereits ab, wird die Union neu definieren, was heute „konservativ“ ist.”
Um was geht es? Der Vorschlag von Familieministerin Frau von der Leyen ist, Deutschland in Sachen Kinderbetreuung ein wenig “nachzurüsten”. Sprich: Endlich Krippenplätze für unter Dreijährige zu schaffen. In der Tat haben uns gerade die Politiker der CDU/CSU jahrelang erzählt, das (Klein-)Kind gehöre zur Mama und eine ensprechende Politik verfolgt. Auch sieben Jahre rot-grün brachten uns in dieser Beziehung nicht richtig weiter. Frau von der Leyen scheint “nur” eine Legislaturperiode zu benötigen. Weg von Deutschlands “Rabenmütter”-Politik hin zu einer selbstverständlichen Vereinbarung von Beruf und Familie. Tja, das ist wohl auch dringend Zeit, den welche Familie kann es sich heute noch leisten, auf das Einkommen von “Mutti” zu verzichten? Ökonomische Zwänge verändern doch die Welt immer noch am schnellsten ;-)

Igitt! Die Milch vom Müller im Regal lassen

Thursday, February 8th, 2007

Sie ist nicht neu - aber hoch aktuell:
Die Geschichte von Herrn Müller
Der Herr Müller kommt aus Aretsried, das liegt in Bayern, also ganz im Süden. Der Herr Müller ist ein Unternehmer. Und das, was in den Fabriken von Herrn Müller hergestellt wird, habt ihr sicher alle schon mal gesehen, wenn ihr im Supermarkt wart. Der Herr Müller stellt nämlich lauter Sachen her, die aus Milch gemacht werden. Na ja, eigentlich stellen die Kühe die Milch her, aber der Herr Müller verpackt sie schön und sorgt dafür, dass sie in den Supermarkt kommen, wo ihr sie dann kaufen könnt. Die Sachen, die der Herr Müller herstellt sind so gut, dass sogar der Herr Bohlen dafür Werbung gemacht hat.
Weil der Herr Müller ein Unternehmer ist, hat er sich gedacht, er unternimmt mal was und baut eine neue Fabrik. Und zwar baut er sie in Sachsen, das ist ganz im Osten. Eigentlich braucht niemand eine neue Milchfabrik, weil es schon viel zu viele davon gibt – und diese viel zu viele Milchprodukte produzieren – aber der Herr Müller hat sie trotzdem gebaut.
Und weil die Leute in Sachsen ganz arm sind und keine Arbeitsplätze haben, unterstützt der Staat den Bau neuer Fabriken mit Geld. Arbeitsplätze hat man nämlich im Gegensatz zu Milchprodukten nie genug. Also hat der Herr Müller einen Antrag ausgefüllt, ihn zur Post gebracht und abgeschickt. Ein paar Tage später haben ihm dann das Land Sachsen und die
Herren von der Europäischen Union in Brüssel einen Scheck über 70 Millionen Euro geschickt. 70 Millionen, das ist eine Zahl mit sieben Nullen – also ganz viel Geld.
Viel mehr, als in euer Sparschwein passt.
Der Herr Müller hat also seine neue Fabrik gebaut und 158 Leute eingestellt. Hurra, Herr Müller! Nachdem die neue Fabrik von Herrn Müller nun ganz viele Milchprodukte hergestellt hat, hat er gemerkt, dass er sie gar nicht verkaufen kann, denn es gibt ja viel zu viele Fabriken und Milchprodukte. Na ja, eigentlich hat er das schon vorher gewusst, auch die Herren vom Land Sachsen und der Europäischen Union haben das gewusst – es ist nämlich kein Geheimnis. Das Geld haben sie ihm trotzdem gegeben. Ist ja nicht ihr Geld, sondern eures. Klingt komisch, ist aber so.
Also was hat er gemacht, der Herr Müller?
In Niedersachsen, das ist ziemlich weit im Norden, hat der Herr Müller auch eine Fabrik. Die steht da schon seit 85 Jahren und irgendwann hatte der Herr Müller sie gekauft. Weil er jetzt die schöne neue Fabrik in Sachsen hatte, hat der Herr Müller die alte Fabrik in Niedersachsen nicht mehr gebraucht, er hat sie geschlossen und 175 Menschen haben ihre Arbeit verloren. Wenn ihr in der Schule gut aufgepasst habt, dann habt ihr sicher schon gemerkt, dass der Herr Müller 17 Arbeitsplätze weniger geschaffen hat, als er abgebaut hat. Dafür hat er 70 Millionen Euro bekommen. Wenn ihr jetzt die 70 Millionen durch 17 teilt, dafür könnt ihr ruhig einen Taschenrechner nehmen, dann wisst ihr, dass der Herr Müller für jeden vernichteten Arbeitsplatz über 4 Millionen Euro bekommen hat.
Da lacht er, der Herr Müller - natürlich nur, wenn niemand hinsieht. Ansonsten guckt er ganz traurig und erzählt jedem, wie schlecht es ihm geht. Aber der Herr Müller sitzt nicht nur rum, sondern er sorgt auch dafür, dass es ihm besser geht.
Er ist nämlich sparsam, der Herr Müller . . . Sicher kennt ihr die Becher, in denen früher die Milch von Herrn Müller verkauft wurde. Die schmeckt gut und es passten 500 ml rein, das ist ein halber Liter. Seit einiger Zeit verkauft der Herr Müller seine Milch aber in lustigen Flaschen, nicht mehr in Bechern. Die sind praktisch, weil man sie wieder verschließen kann und sehen hübsch aus. Allerdings sind nur noch 400 ml drin, sie kosten aber dasselbe. Da spart er was, der Herr Müller – und sparen ist eine Tugend, das wissen wir alle.
Wenn ihr jetzt fragt, warum solche Leute wie der Herr Müller nicht einfach an den nächsten Baum gehängt werden, dann muss ich euch sagen, dass man so etwas einfach nicht tut. Wenn ihr aber das nächste Mal im Supermarkt seid, dann lasst doch einfach die Sachen vom Herrn Müller im Regal stehen und kauft die Sachen, die daneben stehen. Die schmecken genauso gut, sind meistens billiger und werden vielleicht von einem Unternehmer hergestellt, für den der Begriff “soziale Verantwortung” noch eine Bedeutung hat.
Und an alle an denen DAS noch vorbeigegangen ist: der gute Herr Müller unterstützt seit Jahren die NPD durch Parteispenden - die ist nämlich sein guter Freund. Ein noch viel wichtigerer Grund die Sachen im Regal stehen zu lassen! Ach übrigens, da fällt mir ja ein, der Herr Müller will auch Erbschaftsteuer sparen und hat daher beschlossen, seinen Wohnsitz nach Österreich zu verlegen. Eines sollte uns einigen: Nichts mehr von Müller-Milch auf den Tisch!!!