Archive for June, 2007

Aktie Mensch

Friday, June 29th, 2007

zwang.jpgKaum zu glauben - aber ein renommierter Hotelier führt seine Mitarbeiter - natürlich hauptsächlich Frauen - wie Aktien. Klaus Kobjoll hat 2003 den sogenannten Mitarbeiter-Aktienindex (MAX) in seinem renommierten vier-Sterne Hotel “Schindlerhof” eingeführt. Die 74 Angestellten stellen sich jeden Monat ihrem fallenden oder steigendem Kurs. Am Ende eines Monats müssen sie sich anhand von 18 Kriterien selbst beurteilen. Vorgesetzte kontrollieren das Ergebnis. Die Top 30 werden dann von der Hotelleitung veröffentlicht. Dazu fließen diese Bewertungenin den TIX ein - den Teamindex. Hat eine Angestellte schlechte “Aktienwerte”, fällt der Wert des ganzen Teams. Mehr Druck geht wohl kaum.

Hotelier Kobjoll
ist von seiner “Erfindung” total überzeugt. Der MAX sei ein “wunderbares Disziplinarinstrument”. Und er sei stolz darauf, dass der Betrieb zu hunder Prozent gewerkschaftsfrei sei. Dieter Kiefer, von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in Nürnberg macht aus seiner Meinung dazu keinen Hehl: “Menschenverachtend und unfassbar”. Der Druck auf die Mitarbeiter sei imens, die Angst vor Repressalie riesengroß. Der MAX verteilt nämlich auch Minuspunkte, z.B. wenn eine Angestellte mal krank ist.
Nicht zu fassen - aber der menschenverachtende Hotelier ist nebenbei ein gefragter Trainer auf Managerseminaren. Ob er in diesen Seminaren wohl auch verrät, dass es in seinem Schinder-Hof kaum Mitarbeiterinnen gibt, die länger als 2-3 Jahre bleiben? Ein Boykott seines Hotels wäre jedenfalls echt wünschenswert.
Quelle: publik-forum 7/2007

Aus Tirol

Tuesday, June 26th, 2007

Liebe Mutter, lieber Vater:

Mir geht’s gut. Ich hoffe Euch, Annemarie, Klaus, Karl, Willi, Sigrid, Peter und Hans auch. Sagt Karl und Willi dass beim Heer sein, jede Landarbeit um Längen schlägt. Sie sollen sich schnell verpflichten, bevor alle Plätze voll sind. Zuerst war ich sehr unruhig weil man bis fast um 6 Uhr im Bett bleiben muss, aber nun gefällt mir das mit dem lange ausschlafen. Sagt Karl und Willi man muss nur sein Bett richten und ein paar Sachen vor dem Frühstück polieren. Keine Tiere füttern, kein Feuer machen, kein Stall sauber machen oder Holz hacken… praktisch gar nichts. Die Männer müssen sich rasieren, aber das ist nicht so schlimm, es gibt nämlich
warmes Wasser.

Das Frühstück ist ein bisschen komisch, mit jeder Menge Saft, Getreide, Eier, aber dafür fehlt völlig Kartoffeln, Schinken, Steaks und das andere normale Zeug, aber sagt Karl und Willi man kann immer neben irgendwelchen Städtern sitzen, die nur Kaffee trinken und das Essen von denen mit deinem eigenen hält dann bis zum Mittag, wenn es wieder was zu essen gibt. Es wundert mich nicht, das die Jungs aus der Stadt nicht weit laufen können. Wir gehen viel auf “Ãœberlandmärsche” von denen der Vizeleutnant sagt, das langes Laufen gut ist für die Abhärtung. Na ja, wenn er das glaubt, als Rekrut kann ich da nichts gegen sagen. Ein “Ãœberlandmarsch” ist ungefähr so weit wie bei uns zum Postamt, aber wenn wir da sind, haben die Städter wunde Füße und wir fahren alle in LKWs zurück.

Die Landschaft hier im Burgenland ist schön aber fast ganz flach. Der Vizeleutnant ist wie unser Lehrer. Er nörgelt immer. Der Hauptmann ist wie der Bürgermeister. Majore und Oberste fahren viel in Autos und gucken komisch, aber sie lassen einen völlig in Ruhe. Und jetzt das Beste. Das wird Karl und Willi umbringen vor Lachen: Ich kriege Auszeichnungen für`s Schießen! Ich weiß nicht warum. Das Schwarze ist viel größer als ein Rattenkopf und bewegt sich nicht mal und es schießt auch nicht zurück, wie die Laubrunner Brüder mit dem Luftgewehr. Alles was du machen musst ist, dich bequem hinlegen und es treffen. Man muss nicht mal seine eigenen Patronen machen. Sie haben sie schon fertig in Kisten. Dann gibt’s noch “Nahkampfausbildung”. Du kannst mit den Städtern ringen. Aber ich muss sehr vorsichtig sein, die gehen leicht kaputt. Ist viel leichter als den Stier zu bändigen. Ich bin am besten darin, außer gegen den Voller Sepp, der hat genau am gleichen Tag angefangen wie ich, aber ich hab nur einmal gegen ihn gewonnen. Das wird daran liegen das ich mit meinen 65 Kilos nur 1,70 m bin und er mit seinen 2 Metern und 120 Kilos ist halt schwieriger.

Vergesst nicht Karl und Willi schnell Bescheid zu sagen bevor andere mitkriegen wie das hier läuft und uns die Bude einrennen.

Alles Liebe, Eure Tochter Maria

Frauenfußball

Monday, June 25th, 2007

steffijones.jpg Habe gerade einen wunderbaren Blog entdeckt - Womensoccer zum Thema Frauenfußball. Katja Öhlschläger und Markus Juchem verantworten den Blog mit viel Kenntnis und wunderbaren Postings. Besonders empfehlenswert die mehrteilige Reportage über Steffi Jones. Insgesamt sehr lesenswert :-)

Mutiges Frankreich

Thursday, June 21st, 2007

fadelaamara.jpgEine linke Feministin hat der französische Staatspräsident Nicholas Sarkozy zur Staatssekretärin gemacht. So schrieb welt-online gestern: “Als Vertreterin der Banlieus (=Vorstädte, sb) sieht sich die neue Staatssekretärin für Stadtpolitik, Fadela Amara. Die 42-Jährige ist landesweit bekannt als Gründerin und militante Führerin der Frauenbewegung „Ni putes ni soumises“ („Weder Hure noch Unterworfene“), die gegen die Unterdrückung muslimischer Frauen in der Banlieue kämpft. Amara wuchs mit zehn Geschwistern auf und hat sich in langen Kämpfen gegen das traditionell Frauenbild im Islam aufgelehnt. “Ich bin weiter eine Linke und kritisiere die Regierung wenn mir etwas nicht gefällt”, kündigte sie Minuten nach ihrer Nominierung an. “Mich interessiert weniger was andere denken. Ich will Resultate.”
Natürlich habe ich im Wahlkampf für Ségolène Royal die Daumen gedrückt, Aber die mutige Personalpolitik des neuen Präsidenten beeindruckt mich sehr. Zum Hintergrund von Fadela Amara gibt es auch in der net-tribune einen guten Artikel.

Gute Initiative

Monday, June 18th, 2007

zwangsheirat_t.jpg Auch die FDP hat manchmal gute Ideen, wie ihre Initiative im hessischen Landtag beweist. Sie fordert ein Bleiberecht für Frauen, die im Ausland zur Heirat gezwungen wurden. Denn die Frauen haben sich oft einer “illegalen Einreise” schuldig gemacht, wenn sie vor der erzwungenen Heirat in ihrem Heimatland fliehen. FDP-Sozialpolitiker Florian Rentsch ist der Ansicht, dass solche Fälle als Härtefälle anerkannt werden müssen. Die Politik müsse sich eindeutig zu ihrem Schutz bekennen. Aktuell berichtet die fr-online von einem typischen Fall. Fatme - der Name ist geändert - ist in Deutschland geboren und hat den größten Teil ihres Lebens hier verbracht. Die FR schreibt: “Schon in Deutschland hatte Fatmes Vater versucht, sie zur Heirat mit einem türkischen Mann zu zwingen. Beide Männer bedrohten und schlugen sie. Der sogenannte Verlobte fing sie vor der Schule ab und terrorisierte sie. Fatme war mutig genug, ihn anzuzeigen. Der Mann wurde wegen Körperverletzung verurteilt. In der Türkei wurde es dann noch schlimmer. Fatmes Vater sperrte sie ein und verbot ihr jeglichen Kontakt. Er werde sie töten, wenn sie dagegen verstoße, drohte der Vater. Fatme sah niemanden - außer den Männern, die der Vater mit nach Hause brachte, um sie mit seiner Tochter zu verheiraten.” Heute kämpft sie um die Anerkennung als Härtefall, denn auf der Flucht vor ihrem Vater und einer Zwangsheirat ist sie illegal nach Deutschland eingereist.
Hoffen wir, dass die Initiative der FDP Erfolg hat. Für Fatme und alle anderen!
ehre_t.jpg

die Karten sind von Kampagnen der Organisation terre des femmes

Leben retten

Thursday, June 14th, 2007

shake-hands.jpg Gerade bei Frauen wird ein Schlaganfall manchmal zu spät erkannt. Deshalb hier die 4 entscheidenden Tipps, die ich durch Sinah Altmann bekam:
Während gegrillt wurde, stolperte Ingrid und fiel hin. Man bot ihr an, einen Krankenwagen zu rufen, doch sie versicherte allen, dass sie okay sei und sie nur wegen ihrer neuen Schuhe über einen Stein gestolpert war. Weil sie ein wenig blass und zittrig wirkte, half man ihr, sich zu säubern und brachte ihr einen neuen Teller mit Essen. Ingrid verbrachte den Rest des Abends heiter und fröhlich.
Ingrids Ehemann rief später an und ließ alle wissen, dass seine Frau ins Krankenhaus gebracht worden war. Um 23.00 Uhr verstarb Ingrid. Sie hatte beim Grillen einen Schlaganfall erlitten. Hätten die Anwesenden gewusst, wie man die Zeichen eines Schlaganfalls deuten kann, könnte Ingrid noch leben. Es dauert nur eine Minute, das Folgende zu lesen …

Es gibt 4 Schritte an die man sich halten sollte, um einen Schlaganfall zu erkennen:

1. Bitten Sie die Person, zu lächeln (geht das nicht = Lähmung)

2. Bitten Sie die Person, einen möglichst einfachen Satz zu sprechen, z. B.: Es ist heute sehr schön.

3. Bitten Sie die Person, beide Arme zu heben.

4. Bitten Sie die Person, ihre Zunge heraus zu strecken. Wenn die Zunge gekrümmt ist und schief hängt, ist das ebenfalls ein Zeichen eines Schlaganfalls.
Falls die betreffende Person mit einem dieser Schritte Probleme hat, rufen Sie bitte sofort den Notarzt!

Ein Kardiologe hat einmal gesagt, dass - wenn man diese Information an mindestens zehn Personen weitergibt - man sicher sein kann, dass irgend ein Leben dadurch gerettet wird. Na dann auf Ladies - weiter erzählen!

Grafik von Alf

Ziel wird nicht durch “billig” erreicht

Monday, June 11th, 2007

Warum bringen junge Mütter in Dänemark ihre Kleinsten in die Kindertagesstätte? Weil sie wissen, dass diese dort nicht nur verwahrt, sondern effektiv nach den neusten pädagogischen Erkenntnissen betreut werden. Und da die deutsche Wirtschaft in absehbarer Zeit die gut qualifizierten Frauen als Arbeitskräfte braucht, gibt es auch bei uns Bewegung in der Frage der “Kleinstenbetreuung”. Allerdings - wie fast immer, wennn es um Kinder und Jugendliche geht - bevorzugen deutsche Politiker leider die Billiglösung. Nehmen wir NRW: Es soll ein “Kinderbildungsgesetz” verabschiedet werden. Es sieht zwar eine deutliche Erhöhung der Betreuungsplätze für unter Dreijährigfe vor, aber auch eine deutliche Verschlechterung der Qualität dieser Betreuung. So schreibt Catrin Bialek im Handelsblatt heute: “… Die Zahl der Kitaplätze für unter Dreijährige soll bis 2010 auf 66.500 steigen – das sind doppelt so viele wie heute. Bei dieser imposanten Zahl ist aber eines schon heute klar: Die Betreuung der unter Dreijährigen außer Haus wird sich im bevölkerungsreichsten Bundesland mit dem neuen Gesetz dramatisch verschlechtern. Ein Beispiel: Waren die Kleinen bislang in altersgemischten Gruppen untergebracht und hatten somit Gelegenheit, von älteren Kindern zu lernen, so werden sie künftig in eintönigen Kleinkindergruppen separiert. Oder: Haben sich bislang drei Erzieherinnen um im Durchschnitt 15 kleine und größere Kinder gekümmert, so stehen künftig für dieselbe Anzahl an Kindern nur noch zwei Fachkräfte zur Verfügung.”
Ob die qualifizierten Mütter ihre Kinder unter diesen Bedingungen staatlich betreuen lassen, ist fraglich. Hier wird eine große Chance verpasst :-(

Kompromiß?

Friday, June 1st, 2007

In der taz von heute gibt es einen interessanten Beitrag zum Thema Grundeinkommen. Wirtschaftsexperten und Landesvorsitzende der Grünen haben für den Bundesparteitag im Herbst einen Kompromiß erarbeitet. Dazu heisst es in der taz:
“Das gestern vorgestellte Diskussionspapier schlägt einen Kompromiss vor: ein Grundeinkommen, das nach Lebenssituation variiert, für Rentner, für Kinder, für Erwerbstätige, für Auszubildende und für Studenten in unterschiedlicher Höhe. Im Gespräch sind 400 bis 500 Euro. Anders als bei den bisher diskutierten Modellen bliebe zusätzlich eine Grundsicherung erhalten. Wer zu diesem Betrag also kein Geld hinzuverdient, kann auf Hartz-IV-Niveau “aufstocken”. Ebenfalls anders: Auch die individuelle Betreuung von Menschen in “sozialen Problemlagen” bleibt bestehen. Außerdem soll ein Mindestlohn verhindern, dass die Löhne sinken - was bei ähnlich gering bemessenen Modellen der Fall wäre.”
Wäre doch bedenkenswert als erster Schritt. Das Problem ist nur, dass die gesamte Harz IV-Bürokratie damit nicht aufgelöst wird. Vielleicht könnte man für Menschen ohne Erwerbseinkommen noch die Miete hinzunehmen, dannn wäre das doch ein schöner Einstieg.