Archive for March, 2008

Ein Mann ruft auf

Friday, March 28th, 2008

“Stille Reserven: Schreit auf!” so titelt Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, gestern sein Essay auf welt.de. Unter anderem schreibt er: “Deshalb muss man es mit aller Deutlichkeit formulieren: Die heutige Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik ist gescheitert. Sie schützt jene, die drinnen sind, und sie schadet jenen, die draußen sind. Sie verteidigt historisch entstandene Besitzstände und verhindert die Teilhabe aufgrund nachweislich vorhandener Qualifikationen und Fähigkeiten. Sie diskriminiert ausgerechnet die bis dahin ökonomisch Schwächeren der Gesellschaft: die Frauen, die Älteren und Einwanderer beziehungsweise deren Nachkommen - also genau jene, die sie besonders zu schützen vorgibt. Sie alle haben, bei gleicher fachlicher Qualifikation eine systematisch geringere Chance auf einen Job als jüngere deutsche Männer.” Und weiter am Schluß: “Noch glauben zu viele Betriebe, dass sie es sich leisten können, auf die stillen Reserven hoch qualifizierter Frauen, älterer Menschen und Deutscher mit Migrantionshintergrund zu verzichten. Das ist ein folgenschwerer Irrtum, der sich heute schon rächt.”
straubhaar.jpgRecht hat der Mann - allerdings glaubt er als echter Ökonom natürlich auch nicht an gesetzliche Regelungen. Na da sollte er aber mal nach Norwegen gucken :-)

Junge Frauen - aber hola!

Tuesday, March 25th, 2008

Es gibt eine spannende Studie der Zeitschrift “Brigitte” - der erste Teil ist jetzt im Internet bei der heute-Sendung vom ZDF veröffentlicht worden. Die Ergebnisse kommentiert im Interview Prof. Dr. Jutta Allmendinger, 51. Sie ist Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung und Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Berliner Humboldt-Universität.
Lest mal - das gibt Mut zur Zukunft :-) Danke an Birgid Hanke von den Textinen für den tollen Tipp!

Dazu noch ein guter Kommentar im Tagesspiegel von Dagmar Rosenfeld.

Schwarz-grün beim Grundeinkommen

Tuesday, March 25th, 2008

Erstaunlich, was das Thema Grundeinkommen so bewirkt. So las ich gerade eine interessanten Stellungnahme von Dieter Althaus (CDU) und Wolfgang Strengmann-Kuhn (Die Grünen) im “Rheinischen Merkur”. Sie schreiben u.a.:”Wir glauben, dass Deutschland den Mut braucht, visionäre Ideen wie das Grundeinkommen aufzugreifen. Zu Recht glauben die Bürgerinnen und Bürger nicht mehr daran, dass das aktuelle Sozialversicherungssystem zukunftsfähig ist. Wenn von den politisch Verantwortlichen keine Antworten auf die Herausforderungen durch Globalisierung und demografischen Wandel gegeben werden, schwindet auch das Vertrauen in die Politik und letztlich in die Demokratie insgesamt. Politik braucht den Mut zu neuem Denken über alte Gräben hinweg.” Viel Spaß beim Lesen wünscht euch stefanie

Männliches Imponiergehabe bringt mehr Gehalt

Tuesday, March 18th, 2008

Einen wunderbaren Artikel mit der Ãœberschrift “Eine Krise der Chefetagen” hat Tanja Dückers (Autorin von “morgens nach Utopia”) in der Zeit- Online vom 11.3. veröffentlicht. Nachdem wieder mal (wie oft noch?) eine Studie belegt hat, dass Frauen in Deutschland bei gleicher Tätigkeit 25 Prozent weniger Geld verdienen, fragt sie: “Wieso lassen sich Vorgesetzte so leicht von männlichem Imponiergehabe beeindrucken? Gerade weil sie keine Angeber sind, hätten Frauen mehr Fairness verdient.” Und nachdem sie einschlägige Ratschläge an Frauen anführt (”knallhart verhandeln”) führt sie weiter unten aus: “Ich möchte den Spieß gern umdrehen und fragen: Welcher Chef ist so blöde, dass ihm permanente Angeberei, Drängelei und Selbstüberschätzung sympathisch und eine Gehaltserhöhung wert sind? Welcher Chef weiß Mitarbeiterinnen nicht zu schätzen, die nicht nur ihre Stärken hervorkehren, sondern auch offen Fehler und Schwächen einräumen? Was sagt diese Diagnose eigentlich über die Chefetagen in unserem Land – und über unser Land im Allgemeinen – aus?” Na - da wüßte ich schon die ein oder andere mögliche Antwort … ;-)

Ruin der Gefühlswelt durch Pornos?

Monday, March 17th, 2008

Monitor brachte letzen Donnerstag einen sehr spannenden Beitrag zum Thema Jugendliche und Pornokosum. Anlaß waren die Ergebnisse einer Studie zum steigenden Konsum pornografischer Filme bei Jugendlichen. Der Beitrag beleuchtet recht gut, was dies bei den jungen Männern und Frauen anrichtet.

Zitat: “Abstumpfen und Frauen verachten, das ist der soziale Kollateralschaden dieser neuen Pornos. Sie warnt vor den Folgen der Bilderflut. Verena Weigand, Kommission für Jugendmedienschutz: ´Der Zugang von Kindern und Jugendlichen zu pornografischen Angeboten im Internet ist denkbar einfach und wird dementsprechend auch genutzt. Die Botschaft, die dort vermittelt wird, ist insbesondere im Blick auf das Frauenbild verheerend. Frauen werden zum Objekt degradiert, es kommen viele Inhalte vor, die mit Gewalt und Vergewaltigung zu tun haben. Und es werden sehr extreme Sexualpraktiken dort dargeboten.`” …. Und Thomas Rüth, Jugendhilfe-Netzwerk Essen Nord, stellt in dem Beitrag fest: “´Der Teil der Sexualität, das stellen wir eigentlich mit Erschrecken fest, der Zärtlichkeit, der liebevoll ist, der schön ist, der romantisch ist, der fehlt völlig. Und es fehlt auch völlig der Zugang dazu. Also tatsächlich, die halten kein Händchen mehr und die küssen nicht, das tun die nicht. Aber die haben Geschlechtsverkehr miteinander. Und ich glaube, das ist etwas, was man neben der normalen körperlichen Entwicklung sicherlich auch in der Familie lernen muss. Nämlich Zärtlichkeit, liebevoll miteinander umgehen. Und das ist tatsächlich das, was in ganz, ganz vielen unserer Familien fehlt, das sind emotionale Notstandsgebiete.`”

Sonja Mikisch schreibt dazu im Monitor-Blog unter dem Titel “Alltäglich und kläglich: wir werden pornografisiert”:

“Nie hätte ich gedacht, dass wir uns bei Monitor mit „so einem Thema“ beschäftigen müssen. Aber dann lag eine neue Studie zum Porno-Konsum von Jugendlichen vor, und wir tauschten aus, was wir im Alltag zunehmend beobachten: es gibt seit einigen Jahren eine Reizüberflutung sondergleichen, die kaum noch rückholbar ist. Pornografie, stark sexualisierte Werbung, anzügliche Videoclips – sie sind überall, in den elektronischen Medien, im Internet. Die Welt ist voller suggestiver Bilder, sie sind jederzeit verfügbar. Schnell, billig, ohne die Scham, die früher gängig war. Es ist völlig normal, mit dem Handy den Geschlechtsverkehr anderer Leute mal kurz auf dem Weg zur Schule oder Arbeit anzugucken….”
Hier auch noch ein Bericht von Frontal 21 aus dem letzten Jahr

Dagmar Metzger

Thursday, March 13th, 2008

Sie bleibt sich treu und nimmt das, was in unserer Verfassung steht - “Abgeordnete sind ihrem Gewissen verpflichtet” - ernst: Dagmar Metzger. Obwohl ich inhaltlich ganz anderer Meinung bin als Frau Metzger, achte und respektiere ich ihre Haltung. Das Demokratieverständnis unserer Parteien zeugt mehr von großem Machtverständnis als von Ãœberzeugung. Ich hätte es sehr schade gefunden, wenn Frau Metzger ihr Mandat niedergelegt hätte. Dass sie im Landtag bleibt ist ein Sieg für unsere Demokratie - über die Selbstherrlichkeit der Parteien hinweg. In diesem Land gibt es jedes Mal einen Aufstand, wenn Menschen aus den Reihen ihrer Partei scheren. Warum eigentlich? In anderen Ländern ist so etwas alltäglich. Die alten, starren Parteienkonstellationen sind völlig überholt. Die besten Debatten im Bundestag sind immer dann, wenn die Fraktionsdisziplin aufgehoben wurde. Warum kann das Beste nicht zur alltäglichen Praxis werden? Wäre einfach zu schön… stefanie

Leben und Karriere wären prima

Tuesday, March 11th, 2008

In der Zeit-Online habe ich gerade einen spannenden Artikel von Parvon Sadigh gefunden. Unter der Ãœberschrift “Frauen wollen weibliche Karrieren” fragt er sich: “Warum sollten Frauen das mitmachen? 70 Stunden die Woche arbeiten, die Kinder zwölf Stunden am Tag wegorganisieren? Männerregeln müssen nicht in alle Ewigkeit gelten.” Er setzt sich auch mit den Thesen des Sozialpsychlogen Roy Baumeister auseinander, der (etwas verkürzt) sagt: Die Arbeitsteilung der Geschlechter sei zwar nicht fair, habe aber bisher ganz gut funktioniert. Sadigh führt weiter aus, dass die gläserne Decke eher eine der männlichen Riten ist, von der Frauen oft ausgeschlossen sind - und dass Norwegen dieses Problem einfach mit Gesetzen löst. Dort funktionierts!
Schöner Artikel, kann ich wärmstens empfehlen ;-)

Kanzlerin auf der CeBit

Thursday, March 6th, 2008

Da geraten die Manager ins Schwitzen: Die Kanzlerin stellt doch tatsächlich Fragen, die am ein oder anderen Stand kurzfristig verlegenes Schweigen bewirkten :-) Aus dem Newsletter von Wiegand&Wiegand:
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei der Eröffnung der weltweiten Computermesse Cebit 2008 in Hannover zahlreiche HighTech-Topmanager mit einfachen Bemerkungen aus dem Konzept gebracht. Die Nachrichtenagenturen APA und dpa listen auf:

1. Fall: IBM-Deutschlandchef Martin Jetter führt der Kanzlerin ein Gerät zur Anzeige günstigster Stromtarifzeiten vor, etwa von Mitternacht bis 06.00 Uhr. Daraufhin Merkel: “Die Waschmaschine zwischen 00.00 und 06.00 Uhr laufen lassen, das mag der Untermieter aber gar nicht so gerne.”

2. Fall: Bei SonyEricsson zeigen Wirtschaftslenker in dunklen Anzügen der Regierungschefin ein cooles Handy mit Organizer und anderen tollen Features. “Das ist High End”, sagt einer stolz zur Kanzlerin. “Wie ein IPhone?”, fragt Merkel zurück. Die Manager lächeln gequält ob der Nennung des längst erhältlichen Produkts von Konkurrent Apple.

3. Fall: Microsoft-Deutschlandchef Achim Berg preist an, sein Unternehmen biete jungen Leuten im Netz einen Test für Computerwissen. Merkel fragt daraufhin zwei anwesende Bäckerlehrlinge: “Haben Sie denn schon den Test mitgemacht?” Die Antwort: “Nein.”

Die Nachrichtenagentur APA kommentiert: “Merkel hat 14 Stände besucht, das Messegelände von Süd nach Nord durcheilt und der Computerbranche ein paar einfache Fragen gestellt. Die Manager sollten gewarnt sein: Nächstes Jahr zur Cebit kommt sie wieder.”[/I]