Alle wollen sie unser Bestes

Also jetzt mal ehrlich - mir stinkt das allmählich. Alle wollen sie unser Bestes - und sind doch nicht bereit das Beste für uns zu geben. Die Wirtschaft schreibt einen Brief an die Parteivorsitzenden von CSU, CDU und SPD und will endlich mehr Krippenplätze, damit die Frauen in ihren Betrieben bleiben. Unterzeichnet ist der Brief vom 12. April von den Chefs des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) Otto Kentzler. Ja Jungs, dann bietet uns doch mal eine schöne Perspektive an. Denn ob ich als Frau arbeiten will hängt nicht in erster Linie vom Krippenplatz ab. Wenn ich meine Arbeit liebe, mich wertgeschätzt fühle und genug verdiene - dann krieg ich es auch irgendwie mit der Betreuung hin.
Und gleich darauf fordern dann Frauen wie die vierfache Mutter Beatrix Selk-Schnoor (Familiennetzwerk) bei Maybrit Illner: “Ich will auch.” Sie stellt die absurde Fordertung auf, dass Eltern (sprich Mütter) die ihre Kinder zu Hause betreuen, das gleiche Geld vom Staat erhalten, wie ein Krippenplatz kostet. Jetzt mal ehrlich, da geht mir der Hut hoch. Der Staat soll es dann auch noch finanzieren, dass gut ausgebildete Frauen, die eine staatlich finanzierte Ausbildung erhalten haben, mit all ihren Qualifikationen zu Hause bleiben, um Essen zu kochen, Badezimmer zu putzen und ihre Kinder zu chauffieren. Das kann es doch nicht sein.
Als Unternehmerin habe ich - manchmal recht mühsam - rechnen gelernt: Ich investiere nur dann, wenn ich mir auch den sogenannten “return of investment” ausrechnen kann. Gesellschaftliche Erziehung von Kindern ja - im Sinn der Kinder und der Frauen, die gern weiter arbeiten wollen. Gesellschaftliche Finanzierung von Hausfrauen - nein! Da ist mir schon das Ehegattensplittimng ein Dorn im Auge.
So - jetzt habe ich mir mal meinen Frust von der Seele geschrieben. Freue mich über eure Kommentare :-)

3 Responses to “Alle wollen sie unser Bestes”

  1. Doris Stommel Says:

    Hallo Stefanie,
    ich muß Dir widersprechen. Ich finde die Idee von Frau Selk-Schnoor sehr gut. Es ist leider so: Was nichts kostet, ist nichts wert! Wenn ich als Mutter (gut ausgebildet - selbst finanziert) zwei Kinder in die Welt setze, werde ich als aller erstes damit bestraft, daß meine Rentenbeiträge rapide in den Keller gehen! Wenn ich mein Kind zur Tagesmutter gebe, muß ich dafür eine geldwerte Entlohnung erbringen. Wenn ich auf eine geldwerte Arbeit außer Haus verzichte, ist die Kinderbetreuung nichts mehr wert. In meiner Nachbarschaft hat eine 15-jährige ein Kind bekommen. Die Betreuung des Kindes erfolgt am Vormittag durch eine Pflegemutter, dies wird vom Sozialamt bezahlt. Die eigene Großmutter hätte die Betreuung gerne übernommen, da sie aber in einem Verwandtschaftsverhältnis zum Kind steht, hätte sie kein Geld bekommen. Das verstehe ich nicht unter Wahlfreiheit für uns Frauen. Die Wahlfreiheit fängt für mich erst an, wenn jede Familie selbst sich für ein eigenes Familienmodell entscheiden kann.

  2. SB Says:

    Liebe Doris, ich finde das rührt an ein sehr grundsätzliches Problem: Finanziert die Gesellschaft die Wahlfreiheit der Frau oder gesellschaftlich notwendige Aufgaben? Es gibt ja einen großen Unterschied zwischen der individuellen Erziehung und der gesellschaftlich organisierten. Meiner Meinung nach muß eine Gesellschaft ein unbedingtes Interesse daran haben, ihre Wertvorstellungen besonders in der Erziehung der Kinder zu transportieren. Das ist in der Familie nicht gewährleist. Es gibt doch die Beispiele von christlichen Fundamentalisten, die ihren Kindern Schulbesuch etc. verweigern. Und das soll dann im zweifelsfall der Staat auch noch bezahlen?????
    Es ist “eine Illusion zu glauben, dass man Gleichheit im Arbeitsleben und im politischen Leben erreichen kann, während man größere Wahlfreiheit für Frauen als für Männer aufrechterhält”, sagte 1968 die damalige schwedische Familienministerin Camilla Odnhoff. Konkret: “Wenn wir Gleichheit haben wollen, müssen wir uns damit abfinden, sie mit dem zu bezahlen, was so schön die Wahlfreiheit der Frau genannt wird.”
    Da bin ich ganz ihrer Meinung :-)

  3. Doris Stommel Says:

    Hallo Stefanie,
    ich finde Deine Argumente sehr weit hergeholt. In Deutschland besteht Schulpflicht bis zur 10. Klasse. Also kann per Gesetz dieses auch durchgeführt werden (Pkt. Fundamentalisten). Du redest hier wahrscheinlich von einer kleinen Minderheit. Bildungseinrichtungen sollen in meinen Augen Bildung vermitteln. Es kann nicht sein, daß die Schule/Pädagogen immer mehr als Mülleimer für die familiäre Situationen sein sollen.
    Kinder bekommen und Kindererziehung sind auch gesellschaftliche Notwendigkeiten. Wenn wir es nicht schaffen in den Familien den Kindern unsere Wertvorstellungen zu vermitteln, wo dann? Familie bedeutet für mich allerdings auch mein soziales Umfeld.
    Ich brauche nur an die ehemalige DDR zu denken, in dem die Kindern vom Staat erzogen worden sind, Obrigkeitsdenken ist da ja wohl vorprogrammiert.
    Wahlfreiheit bedeutet für mich, daß Frau und Mann gemeinsam entscheiden können, was in der Familie konkret aus den gegebenen Möglichkeiten das passende Modell ist. Dies wird nie ohne Kompromisse passieren können. Aber bitte gleichberechtigt für Frau und Mann.
    Zum ‘return of investment’ noch eine Anmerkung: Jeder Euro, den der Staat in ein Kind investiert, bringt ihm vier Euro zurück. Darüber gibt es mehrere Studien.

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